Sensorische Integrationstherapie

Sensorische Integration ist die Aufnahme von Sinnesinformationen, ihre Weiterleitung im Nervensystem und ihre Deutung im Gehirn zum Handlungsgebrauch. Dieser Wachstumsvorgang beginnt lange vor der Geburt, ist im frühen Kindesalter besonders rasch, setzt sich aber lebenslang fort.
Er ist die Grundlage von Bewegung, Sprache und Lernen und der Schlüssel zu sinnvollen Handlungen. Der Prozeß der sensorischen Integration kann gestört sein und zeigt sich in unterschiedlichen Problemen z.B. Entwicklungsverzögerungen, Aufmerksamkeitsdefiziten, verzögerter Sprachentwicklung, Lernproblemen, Hyperaktivität, psychosomatische Problemen …..

Aufbau der SI – Therapie

1. Anamnesegespräch (Elterngespräch)
2. Differenzierte Diagnostik durch spezielle Tests und genaue
Beobachtung der Sinnesaufnahme
3. Gezielter Einsatz von Handlungs- und Bewegungsangeboten
durch spezielle Geräte (z.B. besondere Schaukeln, Rutschen)
oder bestimmte Materialien, die auf die besonderen Bedürfnisse
der Kinder abgestimmt sind. Damit werden die Basissinne
(Gleichgewicht, Tastsinn & Tiefensensibilität) zur Verbesserung
der Wahrnehmungsverarbeitung angesprochen.

Die Therapie findet in Einzel- oder Gruppenbehandlung
( 3 – 5 Kinder = 1 Therapeut) statt.

Marburger Konzentrationstraining nach Krowatschek

Altersgruppen:
1. Kindergarten und Vorschulkinder (5 – 7 Jahre)

Zielgruppe:

  • Kinder, die sich wenig zutrauen
  • Kinder mit fragliche Schulreife
  • Kinder, die viel begleitende Zuwendung bei Aufgaben benötigen
  • Kinder mit Defiziten in Wahrnehmung, Sprache, Konzentration, Motorik oder Leistungsmotivation
  • Kinder mit Anzeichen  von Aufmerksamkeitsstörungen

Altersgruppen:
2. Schulkinder (bis etwa 10 Jahre)

Zielgruppe:
Kinder mit Probleme bei:

  • der Steuerung der Aufmerksamkeit
  • Sich einer Aufgabe gezielt zuwenden
  • einer Aufgabe zu bleiben
  • Unwichtiges ausblenden
  • Angemessenem Zeitaufwand

Ziele des MKT:

  • Reflexiver Arbeitsstil statt impulsives Vorgehen
  • Selbständigkeit
  • Vernünftiger Umgang mit Fehlern
  • Verbesserung der Leistungsbereitschaft
  • Zutrauen in eigenes Können
  • Stärkung der Eltern
  • Verbesserung der Eltern – Kind – Interaktion

Prinzipien des MKT:

  • Klare Handlungsstrukturen vorgeben
  • Klare Regeln einführen
  • Sehr viel positive Aufmerksamkeit und Lob verteilen
  • Zum Sprechen anregen
  • Selbständigkeit fördern
  • Erfolgserlebnisse schaffen

Therapieprogramm für Kinder mit hyperkinetischem
und oppositionellem Problemverhalten

(THOP) nach Döpfner / Schürmann / Frölich

Altersgruppe: Für Kinder von 3 – 12 Jahren

Zielgruppe:
Kinder mit:

  • Störung der Aufmerksamkeit
    z.B. Aufgaben werden vorzeitig abgebrochen, häufige Flüchtigkeitsfehler, geringe Ausdauer, vergesslich, Probleme 2 Informationen
    gleichzeitig zu verarbeiten,verlieren Gegenstände,…
  • Impulsivem Verhalten
    z.B. Ungeduld, Schwierigkeiten abzuwarten und eigene Bedürfnisse aufzuschieben, plötzliches unerwartetes Handeln, platzen mit Antworten heraus, bevor die Frage vollständig gestellt ist, unterbrechen oder stören andere,….
  • Hyperaktivität
    z.B. desorganisierte, mangelhaft regulierte und überschießende motorische Aktivität, exzessive Ruhelosigkeit, grimassieren,…
  • Oppositionellen Verhaltensauffälligkeiten
    z.B. ungewöhnliche und schwere Wutausbrüche, häufiger Streit mit Erwachsenen,widersetzt sich Anweisungen und Regeln, leicht reizbar und zornig, häufiges absichtliches Ärgern,…

Aufbau und Struktur des Trainings:

Elternzentriert:

Aufklärung und Beratung
Eltern-Kind Programm
( z.B. Konsequenzen unmittelbar, zuerst Belohnungsmethoden dann Bestrafung, Reaktionen auf mögliches Fehlverhalten sollten im voraus bedacht werden, Punktepläne, Familienrat,…)

Kindzentriert:

  • Infos
  • Spieltraining
  • Selbstinstruktionstraining (z.B. Signalkarten, Arbeitsregeln)
  • Selbstmanagement
  • Evtl. medikamentöse Therapie

Schulzentriert:

Aufklärung, Beratung, bestimmte Interventionen (z.B. Sitzplatz vorn neben ruhigem Kind, Bewegungsdrang ausgleichen, Anweisungen einfach und klar, festlegen allgemeingültiger Regeln und sofortiger Konsequenz bei Störung, Hilfe zur Selbstorganisation,…)

Ziele des MKT:

  • Reflexiver Arbeitsstil statt impulsives Vorgehen
  • Selbständigkeit
  • Vernünftiger Umgang mit Fehlern
  • Verbesserung der Leistungsbereitschaft
  • Zutrauen in eigenes Können
  • Stärkung der Eltern
  • Verbesserung der Eltern – Kind – Interaktion

Prinzipien des MKT:

  • Klare Handlungsstrukturen vorgeben
  • Klare Regeln einführen
  • Sehr viel positive Aufmerksamkeit und Lob verteilen
  • Zum Sprechen anregen
  • Selbständigkeit fördern
  • Erfolgserlebnisse schaffen

Training mit Aufmerksamkeitsgestörten Kindern

nach Lauth und Schlottke

Altersgruppe: 7 – 14 Lebensjahr

Zielgruppe:
Kinder mit den so genannten Kardinalsymptomen:

  • Unaufmerksamkeit
    z.B. mit mangelnder Aufmerksamkeitsorientierung und Zielgerichtetheit des Verhaltens; Schwierigkeiten Einzelheiten zu beachten, können nur kurze Zeit bei einer Aufgabe verweilen, verlieren rasch das Interesse, bringen Aufgaben nicht zu Ende, wirken sprunghaft und leicht ablenkbar, sind schlecht organisiert, verlieren ihr Ziel aus den Augen,…
  • Hyperaktivität
    z.B. motorische Unruhe, können nicht ruhig sitzen, können sich selten ruhig beschäftigen, zappeln, rutschen auf dem Stuhl hin und her, laufen in der Klasse umher, tollen übermäßig herum, wirken umtriebig, ungesteuert und wie „aufgezogen“
  • Impulsivität
    z.B. zeigen vorschnelles und unbedachtes Verhalten, reagieren bei Aufgaben oft voreilig so dass ihnen häufig Fehler unterlaufen, bei Gruppenaktivitäten können sie nur schwer abwarten, durch ihres impulsives Verhalten stören und unterbrechen sie andere, verstoßen häufig gegen Grenzen und Regeln, ferner neigen sie zu gefährlichen und unbedachten Handlungen

Die 3 Kardinalsymptome können gemeinsam oder getrennt auftreten.

Ziele des Aufmerksamkeitstrainings sind für das Kind:

  • Handlungen eigenständig und Problem angemessen auszuführen und zu steuern
  • Ein bedacht planvolles Herangehen an Aufgaben und Probleme zu entwickeln
  • Eigene Handlungsvollzüge möglichst selbständig zu organisieren
  • Selbstreflexiv vorzugehen und ein „sich selbst bewusstes Handeln“ zu verwirklichen

Die wichtigsten Behandlungselemente:

  • Aufklärung und Beratung der Eltern sowie des Kindes und der Erzieher bzw. Lehrer über die Störungsproblematik und die Entstehung der Störung.
  • Diese Aufklärung soll sich selbstverständlich am Entwicklungsalter des Kindes orientieren; sie sollte über die vermuteten Ursache sowie über den
    Verlauf und die Behandlungsmöglichkeiten der Störung informieren.
  • Dadurch soll das Kind auch zur Selbstbeobachtung und verbesserten Selbststeuerung rden kann und wo es am besten aufgehoben ist
  • Ein kognitives Training ( ab etwa 6 Jahre ) zur Verminderung seines impulsiven und unorganisierten Verhaltens (Selbstinstruktionstraining, Selbstmanagement)

Attentioner

nach Jakobs und Petermann

Altersgruppe:
Kinder im Alter von 7 – 14 Jahre

Zielgruppe:
Kinder mit Konzentrations – und Aufmerksamkeitsproblemen, besonders geeignet bei Kindern die Problemen mit der fokussierten und geteilten Aufmerksamkeit haben.

Ziele des Attentioner – Trainings sind:

  • Defizitabbau im Bereich der selektiven Aufmerksamkeit durch:
  • bessere Hemmung der Reaktionsimpulse auf irrelevante Reize
  • Erreichen einer deutlich verminderten Konzentrationsschwankung als Kennzeichen für eine deutlich verminderte Ablenkbarkeit
  • Verbesserung der Fähigkeit zur parallelen Verarbeitung von Reizen, die auf die gleiche oder mehrere Modalitäten gerichtet sind
  • Steigerung der Selbstregulation und des eigenverantwortlichen Handelns
  • Aufbau sozial erwünschten Verhaltens
  • Alltagstransfer

Aufbau des Trainings:
Als ideale Gruppe werden 4 Kinder mit 2 Therapeuten angegeben.
Das Training hat durch eine Vielzahl von Aufgaben in spielerischer Form, die verschiedenen Modalitäten und den Einsatz von Rhythmus und Schnelligkeit einen stark übenden Charakter.
Der Schwierigkeitsgrad der Aufgaben nimmt innerhalb des Trainings deutlich zu.

Fast alle Aufgaben finden in einer die Kinder stark motivierenden Wettstreitsituation statt.
Die Aufgaben werden als zu lösende Probleme gesehen. Es findet kein Selbstinstruktionstraining statt. Jedes Kind soll seine eigenen Erfolgsstrategien herausarbeiten. Strategien und Verhaltensmuster, um die geteilte oder fokussierte Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten, erlernen die Kinder durch erfolgreiches Handeln.

Hilfestellung gibt die Leitfigur „Taifun“, die Vorstellungsbilder liefert, aber die kreative Lösungswege der Kinder nicht einschränkt. Taifun und seine Drachenwelt führen durch das Training und stellen auch die Denksporthausaufgaben.
Die sozialen Regeln des Trainings werden, parallel zu den Spielen, mit dem so genannten Response – Cost – Token System bewertet.
Eltern werden zu einem Einführungs – und Abschlussgespräch gebeten.

Falls erforderlich, können weitere Elterngespräche stattfinden.

Das Alert Programm

nach Shellenberger und Williams

Das Alert Programm war das erste ergotherapeutische Programm für Kinder mit ADHS.
Es beruht auf dem Wissen der sensorischen Integration und der Verbindung zwischen sensorischer Integration, Erregungstheorie und Aufmerksamkeit.

Das Programm soll das Bewusstsein für die Regulierung des eigenen Erregungszustandes stärken und regt zum Einsatz sensomotorischer Strategien zur Steuerung des Wachsamkeitsniveaus an.

Es hilft Kindern und Erwachsenen, ihre Erregungszustände zu erkennen, aufrechtzuerhalten und entsprechend den Aufgaben und Situationen mit Hilfe sensomotorischer Strategien anzupassen.

Altersgruppe:

  •  Kinder im Alter von 8 – 12 Jahre
  • Vorschulkinder (adaptierte Form)
  • Kinder weiterführender Schulen
  • Erwachsene

Zielgruppe:

  • Kinder mit Aufmerksamkeitsstörungen mit Hyperaktivität
  • Kinder mit Aufmerksamkeitsstörungen ohne Hyperaktivität
  • Konzentrationsstörungen
  • Lernschwierigkeiten bei normaler Intelligenz

Ziele des Programms:

  • Erregungszustände und deren Beziehung zu Aufmerksamkeit, Lernen und Verhalten zu erkennen
  • Die bei unterschiedlichen Aufgaben und unter verschiedenen Rahmenbedingungen angewandte Selbstregulierungsstrategien zu erkennen und zu erweitern
  • Den Bezugspersonen einen Orientierungsrahmen geben, damit dem Kind das Erkennen und die Regulierung des Erregungszustandes (auch im häuslichen Umfeld / Schule / Kindergarten ) erleichtert werden kann
  • Den Bezugsperson das Verständnis zu vermitteln, dass ein Verhalten sowohl den aktuellenOrganisationszustand des Nervenssystems als auch das Bemühen des Kindes widerspiegeln kann, sich einer Aufgabe anzupassen und entsprechend zu reagieren.

Das Intra Act Plus Konzept:

Das Intra Act Plus Konzept ist ein verhaltenstherapeutisch orientierter Therapie- und Interventionsansatz entwickelt von Uta Streit und Fritz Jansen.
Die Arbeit nach dem Intra Act Plus Konzept beinhaltet die Videoanalysen.
Eine positive Beziehung zwischen Kindern und ihren Bezugspersonen ist der Ausgangspunkt aller Maßnahmen.
Der wesentliche Schlüssel für die Übergabe von Werten und Zielen an die nächste Generation sind Beziehungen.
Sie unabdingbar notwendig für den Aufbau von Motivation und positiver Eigensteuerung in den verschiedensten Lebensbereichen.

Die Videoarbeit des Intra Act Plus Konzeptes ermöglicht eine schnelle Verdeutlichung von Verhalten und unbewussten Beziehungssignalen.
Dies ermöglicht eine schnelle  Problemanalyse.